Die Nachzucht von Malawisee Chiliden ist eigentlich kein "Hexenwerk".
Eins möchte ich vorweg betonen:
ich unterscheide zwischen professioneller Zucht und Hobbyzucht dahingehend, dass der prof. Züchter versucht möglichts viel Nachwuchs und unterschiedliche Arten mit evtl. Kreuzungen zur Schaffung von neuen Farbmorphen hervorbringt und der Hobbyzüchter lediglich Nachwuchs aus seinem Becken entnimmt und versucht die Jungtiere bis zu einer gewissen Größe - bei mir bis zum Zeitpunkt der Umfärbung - in einem extra Becken aufzuziehen.
Die Größe der Fische variiert dabei zw. 3 und 5/6cm, da es Arten gibt, welche sich früher umfärben und andere wiederum später.
Alles was man dazu benötigt ist ein gut eingerichtetes Malawisee Cichliden gerechtes Becken mit dem richtigen Wasser und der korrekten Zusammensetzung einer entsprechenden Zuchtgruppe.
Mein Ziel war es nie "professionell" zu züchten, da ich dafür weder die Zeit noch die finanziellen Mittel habe, aber wenn man schon mal Nachwuchs erhält, dann tut man sich schwer die kleinen Racker zu "entsorgen".
Wichtig ist zunächst die Zusammensetzung einer entsprechenden Art bzw. Gattung. Es gibt so viele Unterarten bei den Pseudotropheus Arten, dass man hierbei Vorsicht walten lassen muss um keine Kreuzungen zu erhalten. Manche Züchter versuchen spezielle Kreuzungen zu erzeugen um neue Farbmorphen hervorzubringen, welche sicherlich schön anzusehen sind - ob diese jedoch auch "gesund" sind ist eine andere Frage.
Die Zuchtgruppe - das Verhältnis von M zu W (Männchen zu Weibchen)
Malawisee Cichliden sind Haremstiere, d.h. das Verhältnis von Männchen (M) zu Weibchen (w) sollte immer mindestens 1:3 sein.
Dies hat mehrere Gründe. Die männlichen Tiere haben einen - ich möchte behaupten "recht starken" Fortpflanzungstrieb, weswegen ein Verhältnis von 1:1 zumeist den Tot des weiblichen Tieres als Folge mit sich bringt.
Ist das Verhältnis wie o.a. so hat das M - auch oft "Bock" genannt - zum einen "mehr Auswahl" und zum anderen gibt es einem evtl trächtigen W die Möglichkeit "in Ruhe" die Brut auszubrüten. Diese Ruhe braucht das W auch. Das wiederum kann nur dann geschehen, wenn im Aquarium genügend Versteckmöglichkeiten vorhanden sind (um z.B. den ständigen Annäherungen des M zu entgehen).
Ist der Besatz im Becken nun so gewählt, dass das Geschlechterverhältnis „stimmt“ (siehe oben) so werden sich bald die ersten eigenen „Zuchterfolge“, sprich Nachwuchs einstellen.
Die Balz und Brutpflege
Kommen wir zum Akt an sich und dem Austragen der Brut. Ostafrikanische Cichliden sind lebendgebärend und gehören zu den sogenannten Maulbrütern. Dies heißt nichts anderes, als dass nach der Eiablage und Befruchtung die W die Eier wieder aufsammeln und im Maul ausbrüten.
Die Balz
Alles beginnt – so auch bei den Cichliden – mit der Balz. Dabei bringen die M ihre volle Farbpracht zur Geltung um den W zu imponieren. Weiterhin kommt es während dieser zeit meist zu heftigen Kämpfen zwischen den Böcken innerhalb der entsprechenden Reviere. Entweder um einerseits Artgenossen in die Schranken zu weisen oder um andererseits eine gewisse Art der „Ruhe beim Akt“ zu haben.
Die M gehen bei der Balz nicht gerade zimperlich mit den W um. Teils sieht es auch so aus als verscheuchen sie die W wenn sie gerade kein Interesse mehr haben. Es kann dann schon sehr hektisch im Becken werden, da die Mbunas schnelle und teilweise sehr aktive Schwimmer sind.
Der Grundsätzliche Ablauf der Balz sieht wie folgt aus:
das M schwimmt vor das W und stellt sich in seiner ganzen Größe mit aufgestellten und weit abgespreizten Flossen zur Schau. Die W zeigen nicht immer sofort Interesse, jedoch lassen sie sich mit der Zeit auf das Imponiergehabe der M ein. Danach versucht das M das W in eine entsprechend vorbereitete Art Höhle oder selbst ausgehobener Grube zu locken. Diese Höhle wird duch das M im Vorfeld angelegt.
Dabei erweisen sich die Mbunas als wahre Buddelmeister! Dies ist auch ein Grund für die Auswahl des richtigen Bodengrundes, welcher aus möglichst feinem Quarzsand bzw. Sand mit einer maximalen Körnung von 1-2mm sein soll. Je feiner der Sand desto besser für die „Bauvorhaben“ der Mbunas und weniger Verletzungsgefahr für die Fische. Meist ist diese von mir beschriebene Höhle eine Art Sandgrube am Bodengrund.
Bevorzugt werden hierfür Steine „untergraben“ – was wiederum die Notwendigkeit der Einlage von Styroporplatten im Becken unter dem Bodengrund und der Steindekoration erklärt. Ich habe es schon selber erlebt, dass bei einer solchen Buddelaktion die Deko im Becken umfiel, da die untersten Steine zu sehr untergraben waren.
Die Paarung
Hat sich das W auf die Werbungsversuche des M eingelassen beginnt eine Art Paarungstanz in oben beschriebener Höhle.
Dabei umkreisen sich M und W mehrfach. Das M zittert dabei heftig mit seinem ganzen Körper. Jetzt kommen die Eiflecke auf den Afterflossen der M zum Einsatz. Beim „Paarungstanz“ legt das Weibchen die Eier in die Grube und das M befruchtet diese durch das zitternde darüber kreisen. Die befruchteten Eier werden nun vom W wieder aufgenommen. Dabei folgt es dem M weiterhin in der Grube, indem es versucht so nah als möglich an seiner Afterflosse (mit den Eiflecken) zu bleiben. Hierbei werden durch das am Boden entlang streifende Weibchen die befruchteten Eier mit dem Maul aufgenommen.
Die Eier selbst kann man zur Eiablage und Wiederaufnahme kaum bis überhaupt nicht erkennen, da diese nahezu durchsichtig sind. Weiterhin geschieht dies alles meist so schnell, dass man schon sehr gut hinsehen muss. Spätestens im Verlauf des Paarungsrituals kann man am leicht nach unten hängenden Kehlsack des W erkennen, dass es die Eier aufgenommen hat.
Das Ausbrüten
Nach der Aufnahme der befruchteten Eier ziehen sich die trächtigen W meist in dunkler Ecken und Verstecke des Aquariums zurück, um bei der Brut ihre Ruhe zu haben. Die Dauer des Ausbrütens ist teils unterschiedlich und von mehreren Faktoren abhängig.
Zumeist kann man bei den Mbunas von einer Tragezeit von mindestens 14 Tagen bis zu 29 Tagen ausgehen. Dabei nehmen die W auch nahezu kein Futter zu sich. Wohin auch – das Maul ist schließlich voll !
Die Eier werden durch eine Art Kaubewegung des W ständig in Bewegung gehalten, damit diese nicht verpilzen und ständig mit „frischem“ Wasser versorgt werden. Der Kehlsack der trächtigen W kann dabei erheblich anschwellen.
Auch sind die Atembewegungen bei trächtigen W zu Beginn sehr gering. Man könnte fast meinen die Fische atmen nicht mehr, dies ist jedoch nur eine Schutzfunktion, damit die trächtigen W die Eier nicht zu früh ausspucken. Je näher es zum Freilassen der Brut geht desto häufiger kann man auch schon mal einen Blick in das Maul eines trächtigen W erhaschen. Bei genauem Hinschauen kann man erkennen dass aus den Eiern im Maul kleine Fische geworden sind.
Ist die Austragezeit beendet so entlässt das W die jungen Fische. Dabei „spuckt“ sie die Fische nacheinander aus. Man soll es nicht glauben wie viele kleine Jungfische aus einem solchen Maul herauskommen können! Je nach Größe und Art der Barsche kann dies auch hier variieren. Bei meinen Mbunas lag die Anzahl an Jungfischen pro Wurf zwischen 15 und 30 Stück.
Die Brutpflege
Normalerweise betreiben die W auch noch einen kurzen Zeitraum nach dem Ausspucken die sogenannte Brutpflege.
Hierunter versteht man nichts anderes, als das Beschützen der Jungfische vor Fressfeinden – wie z.B. andere Barsche bzw. Fische im Becken. Dazu nimmt das W die Jungfische wieder im Maul auf. Ich konnte dieses Verhalten in meinem 540l Becken bisher noch nicht beobachten. Ich vermute dass die kleinen anstatt beschützt aus versehen verschluckt werden – schließlich hat das W die letzten 2-4 Wochen nichts gefressen ... das klingt hart, jedoch entspricht es der Realität. Zumeist fressen Erstgebärende Ihren Nachwuchs sofort auf. Sie müssen erst noch lernen dass es sich dabei um ihren Nachwuchs handelt. Aber spätestens beim dritten Versuch kommen auch einige Jungtiere durch.
In meinen Aufzuchtbecken konnte ich ansatzweise dieses Verhalten erkennen. Die W nahmen die Jungfische wieder auf wenn ich nach dem Ausspucken meinen Finger in das Becken gehalten habe. Jedoch kamen danach auch nicht wieder alle Jungfische zum Vorschein. Daher habe ich die W meist sofort nach dem Ausspucken von den Jungfischen getrennt.